Sonntag, Oktober 28, 2007

Halbgar

Und wieder ist einer dieser Tage zuende, an denen man eigentlich zufrieden sein sollte, es aber nicht ist. Wie ein Buch, dass man voller Erwartung gekauft hat und nach 150 Seiten gelangweilt aufgibt oder ein Essen im Restaurant, nach dem man immer noch hungrig ist.
Fußball im Herbst ist eigentlich unattraktiv. Man steht meist bestens eingepackt im Stadion, um sich vor der Kälte ein wenig abzuschotten, was die Bewegungsfreiheit beim aktiven Anfeuern ein wenig einschränkt und wenn dann die Spieler selbst fast steifgefroren auf dem Platz agieren und der Gegner auch noch Engers heißt, ist davon auszugehen, dass kein "Fußballfest", wie es so schön in der DFB-Sprache heißt, bevorsteht.

'Fanstand' von Carsten_FCS

Beim Betreten des E-Blocks gab es diesmal eine Veränderung zu beobachten. Nach langer Zeit hat die Virage Est wieder einen überdachten Stand bekommen, an dem u.a. Aufkleber, Karten für Auswärtsspiele und natürlich Fanzines verkauft werden. Zum Thema "Fanzines" erschien auch in der DRF-Kurvenlage ein Artikel, der mir aus dem Herzen spricht(siehe auch hier). Es wurde bemängelt, dass viele, vor allem junge Stadionbesucher eher an Fotos im Internet oder den aufwendigen Motiven der Aufkleber interessiert sind als an einer ausführlichen Berichterstattung über das Geschehen in der Kurve. Ob man mit einem Artikel, der man erstmal lesen muss, auch die anspricht, die eben nicht gerne in Fanzines lesen, ist eine übergeordnete Herausforderung.

Vor einer eher enttäuschenden, aber voraussehbaren Kulisse von 3300 Zuschauern begann das Spiel mit einem Schnellangriff, der zum 1:0 nach weniger als einer Minute führte. Es kam einer Befreiung gleich, dass Nazif Hajdarovic traf, welcher in den letzten Wochen erheblich kritisiert wurde. Sein Flachschuss landete in der langen Ecke des gegnerischen Tores, bevor der FV Engers überhaupt mitbekommen hatte, dass schon gespielt wird.
In den folgenden Minuten griff der FCS weiter an, schaffte es aber nicht mehr die Abwehr zu durchbrechen und probierte es folglich mit Fernschüssen, die allesamt das Gehäuse in einem Sicherheitsabstand von mehreren Metern passierten. Dafür erwachte Engers aus dem Dornröschenschlaf und hielt die Abwehr kompakt zusammen. Mit der abflachenden Spiellaume der Blau-Schwarzen ergaben sich auch mehr Freiräume für die Gäste. Grobe Schnitzer in der Abwehr verrieten schon früh, dass auch der FV Engers den Ludwigspark nicht ohne Treffer verlassen würde. In der 15. Minute fand dann eine hohe Flanke den Kopf von Kern und der Ausgleich war gefallen, die Abwehr entblößt und Pascal Formann machtlos.

'engersfan' von Carsten_FCS

Im Gästesektor führte dies zu ekstatischen Jubelausbrüchen. Überhalb des C-Blocks fand sich ein Anhänger des FV Engers ein, der in der gesamten ersten Halbzeit unermüdlich und oberkörperfrei alleine trommelte und seine Mannschaft anfeuerte. Vielleicht mögen das einige peinlich finden, aber im Grunde genommen hat dieser Mann vollen Respekt verdient, vor allem wenn man an die derzeitigen Temperaturen denkt. Peinlicher ist die Tatsache, dass dieser eine Fan zeitweise im Stadion lauter zu vernehmen war als der FCS-Anhang.
Der D-Block hatte vor allem optisch deutlich an Masse verloren und war akustisch über 90 Minuten vielleicht insgesamt fünf Minuten aktiv. Der E-Block zeigte sich für seine Verhältnisse zwar nicht wirklich berauschend, aber dennoch weitaus zufriedenstellender als der D-Block. Dieses Mal gab es auch eine Flut an Spruchbändern seitens der Virage Est und Droogs SB zu sehen, die allesamt die ungerechte Behandlung der Fans in Hauenstein thematisierten und übertriebene Maßnahmen seitens der Polizei kritisierten. In Sachen Stimmung war das Heimspiel gegen Engers sicherlich kein Glanzpunkt, aber auch auf dem Platz lief es nicht immer wie gewollt.

In der 19. Minute fand dann einer der endlosen Eckbälle nach einem kurzen Herumgestochere in der Menge in Tim Schwartz seinen Abnehmer und der FCS stellte den alten Abstand wieder her: 2:1! Mit Schwartz traf dann auch einer derjenigen, die in letzter Zeit eher unsicher wirken. Auf der rechten Abwehrseite gibt es in Alexander Otto nämlich einen weiteren jungen Spieler, der auf Einsätze hofft.
Dass es in der Abwehr trotzdem nicht rundlief, bewies die zweite gute Szene des FV Engers. Nach einer Flanke von links war weit und breit kein Gegenspieler zu finden, als ein Angreifer den Ball seelenruhig aus der Luft nehmen konnte und Pascal Formann damit übertrumpfen wollte. Das Geräusch des Balles, der ans Aluminium klatscht, ließ einem das Herz in die Hose rutschen. Zum Glück war es das auch schon an Chancen für Engers. Zur Pause begleitete ein Pfeifkonzert die Spieler in die Kabine.

In der zweiten Halbzeit setzte sich das fort, was man schon zuvor gesehen hatte: ideenlos und zu eigensinnig ging die FCS-Offensive zu Werke. Vor allem Arif Karaoglan rechtfertigte seine Berufung in die Startaufstellung keinesfalls. Positiver Lichtblick war Pascal Stelletta, welcher im Mittelfeld die Kreativabteilung mit klaren Pässen zu unterstützen wusste. Was jedoch klar fehlte war der Mannschaftsgeist und die klare Führung, die sonst Torsten Jülich immer ausstrahlt. So fiel die endgültige Entscheidung erst nach 70 Minuten. Nachdem man schon mehrmals am starken Gästetorwart gescheitert war, stocherte Pascal Stelletta den Ball über die Linie und belohnte sich mit seinem ersten Pflichtspieltor in der Oberliga. In der Folge kam der FCS noch zu einigen hochkarätigen Torchancen, die jedoch mangels Glück oder am gegnerischen Torwart scheiterten. Dass sich die lahme Begegnung noch ein wenig in der Schlussphase besserte war den eingestellten Bemühungen der Gäste und den Einwechslungen von Schug, Brückerhoff und Luft zu verdanken.

Am Ende bleibt ein Spiel, das in einem Jahr nur noch in den Statistiken von Bedeutung sein wird. Dann wird niemand mehr danach fragen, mit welch einer halbgaren Vorstellung, sowohl seitens der Spieler als auch des Publikums, drei Tore und drei Punkte an einem überaus kalten Samstagnachmittag zustande gekommen sind.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Wie immer ein sehr guter Bericht



Spriddolf